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Übergänge zum Sozialismus

16.09.2015

Ende August fand ein gut besuchtes Seminar über die Strategien der kommunistischen Bewegung zur Überwindung des Kapitalismus statt. Hier ein Bericht über dieses Semnar aus der UZ vom 18.09.2015:

Übergänge zum Sozialismus

Gut 20 Genossinnen und Genossen, aus unserer Partei, aus der SDAJ, Ehemalige und Aktive der Linkspartei und andere Linke trafen sich am 29./30. August in der DKP-Parteischule in Leverkusen zu einem Seminar zum Thema „Übergänge zum Sozialismus – zu antiimperialistischen und antimonopolistischen Etappen“. Ein nicht nur historisch interessantes, sondern auch aktuelles, international viel diskutiertes strategisches Thema.

Das Eingangsreferat von Phillip Becher gab einen Überblick über das Ringen der internationalen kommunistischen Bewegung um ihre richtige Strategie zur Überwindung des Kapitalismus. Die kommunistischen Parteien waren im Gefolge des 1. Weltkrieges und des dabei offensichtlich gewordenen Übergangs der alten sozialdemokratischen Parteien ins imperialistische Lager entstanden. Sie kämpften nun in der Kommunistischen Internationale gemeinsam um Antworten, wie das „Herankommen an die Revolution“, der Übergang zum Sozialismus und die dafür nötige innere Struktur der Kommunistischen Parteien und ihrer Weltbewegung aussehen müssen. Hinzu kam bereits 1923 die Aufgabe, eine Kampfstrategie gegen den Faschismus zu entwickeln. Dies fand in den Referaten und Diskussionen auf dem 7. Weltkongress der Kommunistischen Internationale 1935 ihren weitest entwickelten Ausdruck. Die dort entwickelte antimonopolistische Klassenlinie der Volksfront, die Strategie der Einbindung aller nichtmonopolistischen Klassen und Schichten unter Führung der Arbeiterklasse in den Kampf gegen das imperialistische Monopolkapital, ist auch heute noch ein bestimmendes theoretisches wie praktisches Instrument in der Politik der kommunistischen Parteien weltweit (oder sollte es zumindest sein).

Dennoch besteht sowohl innerhalb unserer Partei wie international der Bedarf und die Notwendigkeit, den genauen Charakter der antimonopolistischen Strategie als Kampforientierung bzw. als Etappe auf dem Weg des Übergangs zum Sozialismus zu bestimmen. An Hand von Texten von und zu unseren Schwesterparteien PCP und KKE wurden zwei unterschiedliche Herangehensweisen zu dieser Frage dargestellt, die auf den konkreten historischen Erfahrungen dieser beiden aktuell stärksten europäischen Parteien beruhen und ihre Politikentwicklung sichtbar prägen. Unstrittig war die Anerkennung der Tatsache, dass beide Parteien, mit denen die DKP enge Beziehungen unterhält, in ihren jeweiligen Ländern allein die kommunistische Bewegung repräsentieren. Strittig und in heißer, aber solidarischer Diskussion umkämpft war jedoch die Einordnung und Bewertung dieser Übergangsvorstellung. So z. B. die Fragen, wie der Charakter der kommenden Revolutionen einzuschätzen sei, als unmittelbar sozialistische oder im ersten Schritt demokratische und patriotisch-nationale; ob die Orientierung auf „antimonopolistisch-demokratische Umgestaltungen“, wie sie in unserem Programm gegeben wird, im Widerspruch zu Lenins Feststellung steht, dass es zwischen Imperialismus und Sozialismus keine Zwischenstufen geben kann, oder als Orientierung für eine Kampfetappe zu verstehen sei, bei der es um die Isolierung des Monopolkapitals von der übrigen Bevölkerung geht. Gerungen wurde auch um eine Einschätzung, ob das Fehlen einer international einheitlichen Kampfstrategie der kommunistischen Parteien als Fehler auf Grund der nicht mehr vorhandenen Einheitlichkeit oder des Verfalls grundlegender marxistisch-leninistischer Einsichten zu bewerten ist, oder als angemessen wegen der auf Grund der unterschiedlichen nationalen politischen Bedingungen notwendigen unterschiedlichen Strategien. Hilfreich dabei waren die informationsreichen Ausführungen, die Günter Pohl, Leiter der Internationalen Kommission der DKP und im Sekretariat des Parteivorstands zuständig für die Internationale Arbeit, über die Position der DKP in der internationalen Zusammenarbeit und seine Erfahrungen geben konnte.

Eine vollständige Übereinstimmung unter den Teilnehmern konnte in der Kürze der Zeit, auch wegen der unterschiedlichen Erfahrungen und Einsichten der Teilnehmer, sicherlich nicht erreicht werden. Jedoch wurde das konstruktive Bemühen um eine solche Übereinstimmung und die Diskussionen darum als spannend, lehrreich, notwendig und wohltuend auf diesem Weg erlebt. Eine Teilnahme am weiteren Angebot der KL-Schule kann allen Genossinnen und Genossen nur empfohlen werden.

Thomas Mehner

Der Reader mit den Texten zum Seminar findet sich im Downloadbereich.

Das Bild zeigt Georgi Dimitroff, Maurice Thorez und Wilhelm Pieck im Präsidium des VII. Weltkongresses der KI, 1935.


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