► www.dkp.de

Erkenntnisreiche Stunden in der Karl-Liebknecht-Schule.

23.06.2013

Ein Teilnehmerbericht von Ulla Ermen, Marcel de Jong und Christian Weiß zum Wochenendseminar über "Die große Wirtschafts- und Finankrise" mit Lucas Zeise.

Erkenntnisreiche Stunden in der Karl-Liebknecht-Schule.

Unter kundiger Anleitung von Lucas Zeise nahmen wir, einige wissbegierige Genossinnen und Genossen der DKP, die aktuelle Weltwirtschaftskrise in den Blick.

Wie schon die große Krise in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts hat auch die aktuelle eine Vorgeschichte. Die Aufbauphase des Kapitalismus nach dem Zweiten Weltkrieg war gekennzeichnet durch eine allgemeine Prosperität, auch für große Teile der Arbeiterklasse. Eric Hobsbawm bezeichnete den Zeitraum von 1945 als das Goldene Zeitalter des Kapitalismus. Bereits 1974 kam es, einhergehend mit der Ölpreissteigerung, zu einem deutlichen Einbruch des wirtschaftlichen Wachstums. Die Profitraten gerieten unter Druck. Es zeichnete sich eine zyklische Überproduktionskrise ab.

Hinzu traten die technischen Erneuerungen in der Mikroelektronik. Es kam zu Verschiebungen des Kräfteverhältnisses zugunsten des Kapitals. Die steigende Arbeitslosigkeit wirkte in die gleiche Richtung. Die Sicherung und Stabilisierung der Profitraten, das strategische Ziel des Kapitals, wurde in den folgenden Jahren ideologisch vorbereitet. Dazu gehörten die Kernforderungen der Wegbereiter, wie „der schlanke Staat“, „der eigenverantwortliche Bürger“ oder die „Förderung der Leistungsfähigen“. Die Gewerkschaften wurden als konservative Besitzstandswahrer denunziert. Hinter diesen Formulierungen steckten Zusammenstreichen der Sicherungssysteme, massive Senkung der Spitzensteuersätze und prekäre Arbeitsverhältnisse.

Rückblickend kann gesagt werden, daß das Kapital sein Vorhaben auf ganzer Linie durchsetzen konnte. Riesige Kapitalmengen konnten akkumuliert werden, die Kaufkraft der Arbeiterklasse ging immer weiter zurück. Es stellt sich die Frage, warum es noch etwa 30 Jahre brauchte, bis die gegenwärtige große Weltwirtschaftskrise begann. Mit der Immobilienkrise 2007 in den USA, ausgelöst durch Zahlungsunfähigkeit vieler Arbeiter, brach sie offen aus. Zuvor wurden über Jahre große Kapitalmengen in den Finanzsektor transferiert. Ein überproportionales Wachstum war die Folge, verbunden mit einem Ansteigen der Vermögenswerte, des „fiktiven Kapitals“, dessen Anspruch auf Zinszahlung konnte nicht mehr befriedigt werden. Die Folgen waren verheerend. Der gesamte Finanzsektor drohte zu kollabieren, die Realwirtschaft geriet in eine tiefe Rezession. Die Konjunkturprogramme wurden mit Steuermitteln finanziert, wie immer wurden die Verluste des Finanzsektors sozialisiert. Nach Einschätzung von Lucas Zeise ist das neoliberale Regulationsregime an sein Ende gekommen, nicht jedoch der Kapitalismus an sich.

Das imperialistische EU-Projekt kann auf neoliberaler Basis genau so wenig existieren wie mit einer gemeinsamen Währung. Die inneren Widersprüche und die Konkurrenzverhältnisse lassen das nicht zu. Ein existentiell wichtiger Schritt wäre außerdem ein radikaler Schuldenschnitt, ein Schrumpfen des Finanzsektors. Angesichts der Strukturen und der Machtverhältnisse erscheinen solch radikale Schritte unrealisierbar, „Die Vereinigten Staaten von Europa“ (Lenin) bleiben ein reaktionäres Projekt. Unsere Abwehrkämpfe müssen sich auf die Entmachtung des Finanzsektors konzentrieren und auf die Rückgewinnung des Volksvermögens auf Kosten der Profite.

Die Lehrgangsteilnehmer hatten eine angeregte Diskussion. Noch lebhafter wäre es zugegangen, wenn alle Angemeldeten gekommen wären.


Zurück

Die nächsten Termine:

Keine Einträge vorhanden