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Ein Ort zum Lernen und zum solidarischen Streiten

16.01.2015

Die Zeitung der DKP, Unsere Zeit brachte in der Ausgabe vom 16.01.2015 unter der Überschrift "Ein Ort zum Lernen und zum solidarischen Streiten" das folgende Interview zur Arbeit der Karl-Liebknecht-Schule:

Ein Ort zum Lernen und zum solidarischen Streiten

Zum Programm der Karl-Liebknecht-Schule im Jahr 2015

Die Karl-Liebknecht-Schule ist die zentrale Bildungseinrichtung der DKP. Sie organisiert Informations- und Diskussionsveranstaltungen, Tages-, Wochenendseminare und Wochenlehrgänge. Das folgende Gespräch wurde mit dem Leiter der KLS, Jürgen Lloyd, geführt.

UZ: Ihr veröffentlicht gerade das neue Seminarprogramm der KLS für 2015. Welche Änderungen habt Ihr vorgesehen?

Jürgen Lloyd: Im Vergleich zum letzten Jahr gibt es diesmal ein deutlich schmaleres Programm. Das hat verschiedene Gründe: Zum einen hatten wir bewusst für 2014 ein besonders umfangreiches Angebot gemacht. Mit einer Palette unterschiedlicher Themen – teils zu unseren theoretischen Grundlagen, teils zu Fragen, die für unsere aktuelle Politik eine Rolle spielen – wollten wir auch austesten, wie wir am besten die Entwicklung unserer Partei unterstützen können. Im Programm für 2015 wollen wir daraus schon erste Konsequenzen ziehen. Dazu kommt, dass einige der Seminare wegen mangelnder Anmeldungen abgesagt werden mussten und das Vorjahresprogramm war schon eine ziemliche Kraftanstrengung für uns, die wir mit unseren jetzigen Möglichkeiten auch nicht dauerhaft durchhalten können. Und schließlich haben wir unseren Parteitag im November, der sicherlich die Kraft vieler Genossinnen und Genossen binden wird, denen dann die Zeit für ein Wochenende in Leverkusen fehlen wird.

UZ: Und was plant ihr nun in diesem Jahr?

Jürgen Lloyd: Ein neues Angebot wird der Versuch sein, mit einem viertägigen Seminar einen Einführungskurs für neue Mitglieder durchzuführen. Natürlich soll der auch Genossinnen und Genossen offenstehen, die schon länger in unserer Partei sind, aber ein solches Angebot bisher vermisst haben. In vier Tagen werden wir dabei sicher nicht ausführlich und umfassend etwas zur Philosophie, zur politischen Ökonomie, zum wissenschaftlichen Sozialismus und zur Geschichte und Praxis der kommunistischen Bewegung erarbeiten können. Wir wollen aber trotzdem keinen verkürzten „Marxismus-Light“ propagieren sondern hoffen, über die Frage, warum diese Themen für unsere politische Praxis als Kommunistinnen und Kommunisten wichtig sind, den Zugang zu einem angemessen Umgang mit unseren theoretischen Grundlagen zu eröffnen. Mal sehen, welche Erfahrungen wir mit den beiden für 2015 geplanten Terminen dabei machen. Des Weiteren machen wir mit einem Seminar zum Thema „Demokratie“ und einem zum Thema „Nation und Nationalismus“ zwei Angebote, mit denen wir Themen aufgreifen, die auch in alltäglichen Diskussionen eine Rolle spielen, die wir vor Ort in Bündnissen oder auch mit Freunden führen. Themen, zu denen wir gefragt sind, auf Grundlage der Lehre von Marx, Engels und Lenin etwas Erhellendes beisteuern zu können, was über das herrschende – also bürgerliche – Alltagsverständnis hinausweist. Dann würden wir gerne ein zweites Wochenendseminar zur Einführung in die marxistische Philosophie mit Dir durchführen. Das ist bereits im letzten Jahr auf viel Interesse gestoßen.

UZ: An wen richtet sich Euer Angebot? Dürfen auch Interessierte, die nicht in der DKP sind, daran teilnehmen?

Jürgen Lloyd: Natürlich freuen wir uns auch, wenn Menschen die z. B. aus der Linkspartei kommen oder unorganisiert sind, an den Seminaren teilnehmen und mit uns diskutieren. Wir sehen zwar die Bildungsarbeit für die Genossinnen und Genossen der DKP als unsere vorranginge Aufgabe. Aber das schließt sich ja keineswegs aus. Im Gegenteil bietet doch gerade auch die Diskussion mit anderen einen gute Möglichkeit, unsere eigene marxistische Bildung zu entwickeln. Und es kam ja auch schon vor, das ein zuvor nicht bei uns Organisierter ein Wochenende in Leverkusen dazu nutzt, diesem Status ein Ende zu setzen.

UZ: Mit dem Seminar zur „Antimonopolistischen Demokratie“ gab es im letzten Jahr auch eine Veranstaltung, die weniger auf Vermittlung von Wissen und mehr auf das Führen einer Debatte angelegt war. Werdet Ihr auch daran anknüpfen?

Jürgen Lloyd: Ja. Ich finde, die Karl-Liebknecht-Schule hat sich bewährt als ein Ort, an dem Fragen, die in unserer Partei zum Teil auch kontrovers diskutiert werden, sehr konstruktiv und solidarisch bearbeitet werden können. Konstruktiver jedenfalls, als das in manchen anderen Zusammenkünften möglich ist. Das kann für die DKP eine wichtige Chance sein und wir sind bemüht, dies weiter zu ermöglichen. In diesem Jahr sind wir gerade dabei, ein Seminar zu den Vorstellungen über eine Strategie hin zur Überwindung des Kapitalismus zu konzipieren. Diese Frage wird ja nicht nur bei uns, sondern auch in und zwischen anderen kommunistischen Parteien diskutiert. Wenn alles klappt, soll dieses Seminar mit mehreren Referenten Ende August stattfinden.

UZ: Welche Aufgaben stehen sonst für die KLS als Bildungs- und Begegnungsstätte an? Der Zustand des Hauses in Leverkusen wird nicht von allen als besonders einladend empfunden.

Jürgen Lloyd: Das stimmt schon. Am Haus sind seit Jahren keine größeren Renovierungsarbeiten vorgenommen worden. Wir mussten schon froh sein, wenn es gelingt, die Grundbedingungen, wie Heizung, trockenes Dach usw. sicherzustellen. Es gibt also Anlass für Kritik, die wir hören und ernst nehmen. Aber wir sehen schon einen Unterschied zwischen Kritik, die lediglich geäußert wird und Kritik, die sich mit eigenem Engagement für Abhilfe verbindet. Für letzteres sind wir dankbar! Ein tolles Beispiel gab es im Dezember: Genossinnen und Genossen von SDAJ und DKP aus Hessen haben die Initiative ergriffen, Geld gesammelt und zusammen mit weiteren Genossen aus dem Rheinland und dem Ruhrgebiet die Küche renoviert, einen Herd und neue Schränke für Küche und Essraum besorgt und die sehr in die Jahre gekommenen Matratzen in den Schlafräumen erneuert. Allen Beteiligten dafür nochmal ein herzliches Dankeschön! Für Verbesserungen im Haus sind Geld und Arbeitskraft notwendig. Da ist die Schulleitung alleine und insbesondere die Genossen, die vor Ort sich um das Haus kümmern, schnell an ihren Grenzen angelangt. Wir sind auf das Engagement weiterer Genossinnen und Genossen angewiesen, sowohl was die Zeit angeht als auch auf Spenden.

UZ: Eine letzte Frage: Wie schätzt ihr die Perspektive der Arbeit an der Schule ein? Wo wollt Ihr in einigen Jahren damit gerne stehen?

Jürgen Lloyd: Unsere Arbeit steht und fällt damit, ob es gelingt, ausreichend Teilnehmer für unsere Seminare zu gewinnen. Wenn uns das nicht gelingt, brauchen wir uns auch um andere Probleme keine Gedanken machen. Natürlich müssen wir dafür ein attraktives und für die politische Praxis vor Ort nützliches Angebot machen. Aber dann ist es Aufgabe der Partei, mit den Genossinnen und Genossen über ihre Teilnahme zu sprechen. Nur wenn wir vor Ort unsere Politik planvoll und überlegt gemeinsam diskutieren und entwickeln, entsteht auch der Bedarf an marxistischer Theorie. Aber auch nur dann können wir unseren Aufgaben als Kommunistinnen und Kommunisten gerecht werden. Die Perspektive unserer Arbeit ist demnach keine andere, als die Perspektive unserer Partei. Und wir sind in der Schulleitung zuversichtlich, dass es gelingen kann, uns in den kommenden Jahren nicht nur zu stabilisieren, sondern zu stärken. Mit unserem Namensgeber kann ich hinzufügen: „Trotz alledem!“

Das Gespräch führte Nina Hager

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